Gabriele Heidecker Preis 2019

starsky erhält den Gabriele-Heidecker-Preis
für globale empathie – smash patriarchy

textintervention am weltfrauentag 2018 | hauptplatz linz

In Erinnerung an die Linzer Architektin und Künstlerin Gabriele Heidecker vergeben die Grünen Linz bereits zum sechsten Mal den Gabriele-Heidecker-Preis. Im Rahmen der Jurysitzung wurde von den Jurorinnen – der Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien Eva Blimlinger,  der Künstlerin und Gabriele Heidecker Preisträgerin 2013 Margit Greinöcker, der Künstlerin Eva Schlegel sowie als beratendes Mitglied die Preisstifterin Eva Schobesberger – die Gewinnerinnen mit einstimmigem Beschluss aus insgesamt 49 Einreichungen ermittelt. Die hohe Zahl der qualitätsvollen Einreichungen  – seien es abgeschlossene Arbeiten oder auch erst umzusetzende Projekte – mit unterschiedlichen künstlerischen Zugängen zeigt die Notwendigkeit von Preisen und insbesondere auch Förderung von Künstlerinnen.

Der Gabriele Heidecker Preis 2019 wird dieses Jahr an Romana Hagyo und Silke Maier-Gamauf für das begonnene und laufende Projekt Straßenballade sowie an starsky für globale empathie – smash patriarchy (projektionsguerilla | textintervention von starsky | weltfrauentag 2018 | hauptplatz linz) zu gleichen Teilen vergeben.​

credits:

preisstifterin : Eva Schobesberger
jury : Eva Blimlinger | Eva Schlegel | Marty Huber | Margit Greinöcker
host : aft-architekturforum oö
moderation : Daniela Wagner-Höller
video : Oona Valarie Serbest

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starsky : rede : heidecker preis

was soll ich jetzt sagen – ich schwanke – schwanke zwischen : danke und na endlich ! naja, dann sag ich halt beides. also sag ich mal danke : danke für den preis ! danke, daß es ihn gibt ! und danke vor allem meinem team, und allen, die meine arbeit über so viele magere jahre unterstützt haben !!! ( über 20 jahre kein geld, keine anerkennung, keine preise, in aller sturheit aufrechterhälten, das wäre ohne diese unterstützung nicht möglich gewesen !! ) und dann sag ich noch : na endlich !! zeit wirds !! nach so vielen jahren !!! war schwierig, das so lange aufrecht zu erhalten, so immer nur aus sich selbst heraus… hab ich mir längst schon verdient !!! aber : wer verdient denn schon das, was sie verdient ? wohl kaum eine. *ps : wie üblich : ich spreche weiblich, männer dürfen sich mitgemeint fühlen !!
ich möchte jetzt lieber nicht so gerne über mich und meine arbeit sprechen, die können sie in der ausstellung selbst sehen, sich selbst ein bild davon machen, sondern lieber das fenster der aufmerksamkeit nützen, um etwas programmatisches zu sagen, und einen vorschlag zu machen.

wir leben in barbarischen zeiten, zumindest werden künftge generationen, sofern es diese überhaupt noch geben wird, das so sehen. vergleichbar etwa mit unserer heutigen sicht auf die zeiten der sklaverei…. barbarisch mag drastisch klingen, wo wir alle hier in den wenigen, gut abgegrenzten wohlfühlzonen dieser welt leben..
warum also barbarisch ? nicht nur, und das scheint mir im moment das brennendste, das dringlichste zu sein, weil die menschheit gerade dabei ist sich selbst, ihre eigenen lebensgrundlagen und sogar den gesamten planeten zu zerstören. nicht nur, weil an den schalthebeln der macht skupellose menschen sitzen, die im machtrausch und aus reiner profitgier agieren … und die letztlich diese tatsache zu verantworten haben. nicht nur, weil die umfassende kapitalation aller lebensbereiche mittlerweile so weit fortgeschritten ist, daß andere ordnungen, werte, ideen gar nicht mehr vorkommen, nicht sichtbar sind, und tun sie es doch, sogleich als gutmenschentum diffamiert und ins lächerliche gezogen werden. nicht nur, weil das humanistische projekt europa glorios, umfassend und total an seinen grenzen scheitert, nicht nur, weil in unseren regierungen typen von gestern, mit weltbildern von vorgestern, sitzen, die uns am liebsten in die dunkelsten zeiten des 20. jhdts zurück katapultieren möchten, nicht nur, weil rassistisches, faschistisches und sexistisches denken und handeln die mitte der gesellschaft erreicht hat und als normal angenommen wird : das normal ist irr !! nein, vor allem auch, weil die hälfte der menschheit permanent wie eine minderheit behandelt wird, und mehr oder weniger von allen entscheidungsgewalten ausgeschlossen bleibt.
warum ist das so ? warum ist das einerseits so krass, und andererseits so selbstverständlich, daß es uns kaum auffällt ? weil es tief in unser aller sprache und denken verankert ist. es liegt in der verantwortung jeder einzelnen, sich selbst ständig zu reflektieren und zu überprüfen : wie nehme ich den / die sprechende wahr ? hätte ein mann / frau das anders gesagt ? hätte ich das anders wahrgenommen, wenn es ein mann / frau gesagt hätte ? usw… inversion ist dabei eine hilfreiche taktik der erkenntnis. und die verantwortung für diese veränderung liegt bei jeder einzelnen : also immer bei uns selbst ! deshalb macht es auch keinerlei sinn zu warten ! wie müssen also das projekt der faktischen gleichberechtigung erstens selbst in die hand nehmen und zweitens radikalere schritte setzen – eine 30% quote zu fordern erscheint mir geradezu lächerlich und von vorauseilender unterwürfigkeit geprägt – wir müssen, der demographie entsprechend, eine 52% quote fordern, und keinen schritt weniger !! wir müssen visionen vor uns hertragen, sie immer wieder aussprechen und wiederholen, für sie kämpfen, für sie einstehen, sie hegen und pflegen, bis sie endlich wirklichkeit werden !

wir nehmen uns ein beispiel an der goldenen revolution, von der ich mir wünsche, daß endlich medial mehr über sie berichtet würde, aber dafür ist sie wohl noch zu radikal, wobei ich spüre : die zeit ist gekommen, wir nähern uns an, sie befindet sich im eindeutigen aufwind der geschichte. die goldene revolution ist damals so vorgegangen, und die wirkungen geben ihr recht ! : nach einer längeren periode der einführung der 50 / 50 quote, ergaben die berechnungen, daß die quote zwar wirksam war, daß das tempo jedoch zu wünschen übrig ließ, und so entschied die erste feministische bundesregierung der goldenen revolution folgendes : die temporäre einführung der sogenannten inversion, bis eine faktische gleichstellung und gleichberechtigung in allen lebensbereichen erreicht wäre. die inversion bedeutet : alle posten, die vormals mit männern besetzt waren, ab sofort nur mehr mit frauen zu besetzen, und zwar so lange, bis sich die gleichstellung in allen bereichenn in zahlen und fakten abbildet. diese methode war damals äusserst erfolgreich !! und damit möchte ich den bogen wieder zurückführen auf heute : die heutige preisverleihung, den heutigen preis : dafür sage ich endlich : danke !! nicht nur, weil er mir / uns verliehen wurde, sondern : vor allem : daß es ihn gibt !! und weil ich weiss, daß es eine bewusste entscheidung war, frauen in der kunst endlich auch mit preisen auszuzeichnen und ihnen damit wertschätzung und sichtbarkeit zu verschaffen. danke eva schobesberger für diese initiative !! von der art es ruhig viel, viel mehr geben könnte !

und um zu zeigen, wie notwendig, wichtig und richtig diese initiative ist, möchte ich euch ein par zahlen und fakten dazu präsentieren, und hernach einen vorschlag zur lösung machen. die fakten zeichnen überall ähnliche bilder : preise in der kunst, um beim thema zu bleiben, aber es ist in anderen feldern ähnlich, zum beispiel : je höher dotiert, desto weniger frauen, je wichtiger, je toller, je mehr symbolisches kapital : desto dünner wird der frauen anteil ! als beispiel dafür nehme ich mal den höchst dotierten, wichtigsten österreichiscen kunstpreis her : den österreichischen staatspreis, der in mehreren sparten verliehen wird : architektur, bildende kunst, literatur und musik :

der staatspreis für architektur wurde insgesamt 15x vergeben : davon sind 15 preisträger männlich / 1 preisträgerin weiblich. der 15. preis wurde an 1 mann + eine frau vergeben. noch nie hat eine frau / eine architektin diesen preis alleine bekommen. der staatspreis für bildende kunst wurde insgesamt 28x vergeben : davon gingen 25 preise an männer und 3 preise an frauen. der staatspreis für musik wurde bisher 24 x vergeben : davon ging er 23x an männer und 1x an eine frau. der staatspreis für literatur wurde insgesamt 35x vergeben : dabei ging er 28x an männer und 7x an frauen. gesamt: 11% Frauen, 89% Männer.

diese zahlen sind skandalös ! sie bessern sich in den letzten jahren sukzessive, es scheint ein bewusstsein dafür zu enstehen, daß das so nicht weitergehen kann ! dennoch : meiner ansicht nach ist die veränderung zu langsam und zu wenig radikal ! wie können wir das also lösen ??? deswegen möchte ich heute einen vorschläg zur lösung in güte unterbreiten : nehmen wir uns ein beispiel an der goldenen revolution und ihren sensationellen erfolgen in diesem bereich !! ich schlage deshalb vor : alle großen und bedeutungsvollen preise so lange nur mehr an frauen zu verleihen bis wir zumindest bei 50 / 50, wenn nicht gar bei 52 / 48, gemäß der demographischen realität, angekommen sind ! hernach sollen die preise biennal abwechseln einmal an einen mann, einmal an eine frau vergeben werden. eine ausnahme sollte für menschen gemacht werden, die sich keinen der beiden geschlechter, bzw. der gesamten binären geschlechterordnung nicht zugehörig fühlen : sie können bei beiden kategorien einreichen, bzw. nominiert werden, und diese bevorzugung ist gut so : denn diese menschen haben gesamt noch am aller wenigsten würdigung erfahren !!
soweit für heut !   lasset uns feiern !!   lang lebe die goldene revolution !!!