AUSEINANDERSETZUNG

AUSEINANDERSETZUNG
Ein Projekt von | a project by: Noël Barz, Nadezhda Ivanova, Katarzyna Kleist, Julian Köttstorfer, Alina Lang, Mira Maierhofer, Clara Müller, Moritz Purgstaller, Ani Shahrikyan, Edi Shefkiu, Lea Trathnigg, Zere Valeyeva und Franz Witzmann unter der Leitung von | supervised by Anna Artaker & starsky
AUSEINANDERSETZUNG besteht aus zwei Anamorphosen: erst aus der Perspektive vom vierten Stock zeigen sich die Motive. Zusammen betonen sie die Kontinuität einer österreichischen Moderne vor und nach der Nazi-Zeit und halten der Geschichte des von den Nazis errichteten Gebäudes etwas entgegen. Kommen Sie in den vierten Stock und schau’n Sie sich das an!1
AUSEINANDERSETZUNG zeigt die stark vergrößerten Silhouetten von zwei Stühlen aus der Sammlung Spalt in der Universitätsbibliothek. Von zwei Blickpunkten aus dem vierten Stock hinunter ins Erdgeschoss sind Josef Franks (1885–1967) Fauteuil (1929) und der Murauer Sessel (1994) von Johannes Spalt (1920–2010) auf Wand- und Bodenflächen von Erdgeschoß und erstem Stock platziert. Aus der richtigen Perspektive vom 4. Stock aus betrachtet entfalten die Markierungen ihre räumliche Wirkung, während sie sonst fragmentiert erscheinen.
Die Auswahl der Stühle greift historische Zusammenhänge auf: Der Frank-Entwurf im vorderen Lichthof repräsentiert die Zeit vor dem Nationalsozialismus, während der Spalt-Stuhl im hinteren für die von Johannes Spalt angeführten Bemühungen steht, in der Nachkriegszeit an die österreichische Moderne von Adolf Loos und Josef Frank anzuknüpfen. Das Gebäude Hauptplatz 8 ist Teil des geplanten Ausbaus von Linz zur „Führerstadt” in der Nazi-Zeit, in der Josef Frank als jüdischer Architekt Österreich verlassen musste. Die Gegenüberstellung der beiden Stühle macht historische Brüche und Kontinuitäten sichtbar – das als Sitz des „Finanzpräsidiums Reichsgau Oberdonau” errichtete Gebäude beherbergte bis 2008 das Finanzamt. AUSEINANDERSETZUNG verweist auf die gesellschaftliche und politische Dimension von Gestaltung. Die Anamorphosen laden Betrachter*innen dazu ein, ihre Perspektive zu verändern und verbinden räumliche Wahrnehmung mit historischem Kontext.
- Schau’n Sie sich das an!“ ist ein Zitat des Kabarettisten Karl Farkas (1893–1971), der Österreich als Jude 1938 verlassen musste, jedoch 1946 aus dem amerikanischen Exil nach Wien zurückkehrte und bis zu seinem Tod erfolgreich als Kabarettist auftrat. Ab 1957 trat er regelmäßig im ORF-Radio und -Fernsehen auf und war der erste Kabarettist, der mit dem Berufstitel Professor ausgezeichnet wurde ↩︎